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7. Mai 2014

Reisen mit Hund


Es ist das Dilemma jedes reiselustigen Hundehalters und eine Streitfrage für viele Hundeliebhaber, die damit liebäugeln, unterwegs einen Streuner zu "retten": Soll ich den Hund auf Reise mitnehmen? Wie für so viele gehört der Hund auch bei uns einfach zur Familie. Ihn zu Hause zu lassen, war schlicht keine Option. Dass es durchaus machbar ist, haben wir bewiesen. Dass es nicht zwingend sinnvoll ist, zeigt unsere nüchterne Betrachung.





Würde wir es wieder tun?
Die Frage haben wir uns oft gestellt. Wir können nicht dazu raten, einen Hund mitzunehmen – selbst wenn wir oft froh um eine "Wächter" waren. Auf jeden Fall müssen alle Reisende 100% oder noch mehr hinter dem Hund stehen, sonst kann er schnell auch zu einem zwischenmenschlichen Problem werden. Wir sorgten uns vorgängig wegen der Grenzübergänge, aber am Ende ist es der Alltag mit Hund, der zur Nervenprobe werden kann: die Enge im Fahrzeug, die Hygiene, der Stress auch dem Hund gerecht zu werden und vor allem die dauernde Ungewissheit, ob man den Hund nun zur geplanten Sehenswürdigkeit mitnehmen kann oder nicht – und was sonst?

Nachtrag, 2 Jahre zu Hause
Zwei Jahre nach unserer Rückkehr mit Wieder-Einleben und Reorganisieren ist unser – inzwischen älterer – Hund immer noch bei uns. Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Aber wir stellen im Alltag immer mal wieder fest, dass die Reise ihn geprägt und ihm das Leben in der Zivilisation nicht erleichtert hat. Zwei seiner schon immer angelegten problematischen Charakterzüge haben sich dadurch deutlich verstärkt: seine Unsicherheit und sein Territorialverhalten. Verhaltensanalysen sind eine ausschweifende Sache, daher beschränke ich mich hier auf ein paar Beispiele, um dies zu erläutern. Waren wir Erwachsenen auf der Reise unsicher oder fürchteten wir uns sogar (das passierte, wenn auch selten), dann verknüpfte der Hund unsere Angst sogleich mit irgendetwas und verinnerlichte sie nahezu unüberwindbar (z.B. Lärm/Schüsse, Nacht). Dass es uns damals ganz recht war, wenn er Fremde einschüchterte, ist heute ein Problem – jeder Fremde, der sich ihm nähert, bedeutet für ihn Stress. Besonders geprägt hat ihn das fehlende "eigene" Territorium. Auf Reisen verliess er irgendwann nur noch ungern das Fahrzeug, es sei denn, wir gingen mit ihm irgendwo hin. Wir liessen das zu, was sich als Fehler erwies. Auch heute bleibt er am liebsten in der Wohnung. Er ist geradezu manisch, wenn es um seine Hundebox geht (sein einziges wahres Territorium) und fühlt sich oft nur dort wirklich entspannt – aber wehe, jemand kommt der Box zu nah!

Natürlich, Hundehaltung ist Leadership. Wären wir perfekte Führungspersonen, hätten wir in vielen Situationen kompetenter reagiert, dem Hund so Traumatas erspart, und könnten sein Verhalten auch heute besser in die richtige Richtung lenken. Was wir daraus lernen ist, dass in die Überlegungen, ob ein Hund mitgebracht werden soll, auch der Charakter des Hundes berücksichtigt werden muss. Ein unsicherer Hund braucht noch mehr Stabilität und Führung als ein selbstsicherer.
Die Fragen sind im Prinzip die gleichen wie damals, als man sich den Welpen angeschafft hat, nur muss man sie unter den neuen Umständen (Reise) neu evaluieren: Habe ich Zeit und Energie, dem Hund die – neue – Welt zu zeigen und zu "erklären" (= ihn zu erziehen), so dass er sich entspannt und wohl fühlt darin? Und bin ich/sind wir Führungsperson genug, dem Hund – auch in für uns selber neuen Situationen – ein glaubwürdiges Alfa-Tier zu sein (= Sicherheit geben)?

All das widerspricht natürlich grundlegend der Idee, den Hund als Wächter und Beschützer mitzunehmen! Aber alles andere bedeutet auf Dauer Stress für Mensch und Tier.

Für alle, welche nach den obigen Überlegungen überzeugt sind, ihren Hund mitnehmen zu können, nachfolgend unsere praktischen Tipps, Hinweise und Erfahrungswerte:

Tipps
- Wir halten uns an den Grundsatz: Pro Reisender ein eigenes Bett. Das gilt auch für den Hund.
- Die meisten bekannten Futtermarken sind weltweit beim Veterinär und im Supermarkt erhältlich.
- Auch der Hund muss gegen Mückenstiche geschützt werden. In der Dämmerung soll er deshalb nicht mehr draussen liegen.
- Eine gute Fellpflege macht das Zusammenleben mit einem Haustier zu Hause angenehmer. In einem Womo ist sie unumgänglich.
- Wasser, Wasser, Wasser!
- Hundeschraube zum Befestigen der Leine im Boden mitbringen
- allen Vorsätzen zum Trotz, es wird Tage geben, in denen der Hund nicht genug Bewegung bekommt (Fahrtage, Museumstage…). Fährten verweisen ist eine gute Kopfarbeit, die sich gut an der Leine auf dem Campingplatz ausüben lässt. Ausserdem ist das Zubehör minim und die meisten Hunde kapieren sehr schnell, was sie zu tun haben. Natürlich eignen sich auch andere Gehorsamübungen oder Spiele, um den Hund trotz Bewegungsmangel zu beschäftigen.

Flug
Zugegeben, der Flug bereitete uns Sorgen – unbegründet! Unser Hund hat die Reise bestens überstanden und uns freudig am Zielflughafen erwartet. Trotzdem würde ich bei einem Kurztrip den Hund zu Hause lassen.
Wichtig ist, dass der Platz für den Hund gleich mit dem eigenen Flugticket reserviert wird – vor dem Buchen anrufen! Ganz kleine Tiere ausgenommen, müssen Hunde in den Frachtraum. Die Kosten dafür betragen je nach Grösse, Destination und Fluggesellschaft zwischen 200 und 500 Franken pro Weg. Bei Continental soll es möglich sein, den Hund bei den Stewards in der Kabine unterzubringen ($1000). In jedem Fall ist eine von der IATA anerkannte Flugbox nötig. Wir empfehlen, diese vorgängig zu kaufen, damit sich der Hund daran gewöhnen kann. Ob dem Hund ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben werden soll, ist unter Hundehaltern und Veterinären umstritten. Da unser Hund eher ängstlich ist, entschieden wir uns schliesslich dafür und haben es nicht bereut.
Für den Rückflug ist relevant, ob das Heimatland das Abflugland als Tollwut-Risikogebiet einstuft oder nicht. Je nach dem sind mehr oder weniger medizinische Abklärungen nötig. Dafür rechtzeitig Informationen sowohl beim Ausfuhr- wie auch beim Zielflughafen/-Land einholen. In Mexiko mussten wir kurz vorher beim Veterninär ein Gesundheitszeugnis und Tollwut-Impfungs-Nachweis holen. Damit am Flughafen zur Gesundheitsbehörde für eine Exporterlaubnis. Schliesslich Körperuntersuchung in meiner Anwesenheit von Hund und Box auf Drogen. Nach dieser Prozedur wars dann aber auch für die Ankunft in Frankfurt erledigt.

Papiere
Der Grenzübertritt soll rechtzeitig abgeklärt werden. Auf alle Fälle muss der Hund eine gültige Tollwutimpfung aufweisen. Manche Länder verlangen zusätzlich eine vorgängige Bewilligung ihres Umweltamtes oder ein Gesundheitszeugnis in der Landessprache. Es ist ratsam, vor einem Grenzübertritt auch Parasitenkuren in den Impfausweis einzutragen.
Damit das Tier aus einem Tollwutrisikoland zurück in die Schweiz gebracht werden kann, ist ein Titertest wie auch eine Bewilligung des Bundesamtes für Veterinärwesen nötig. Diese noch vor der Reise in der Schweiz einholen!

Gesundheit
Gerne gebe ich meine Erfahrung bezüglich Entwurmung und Parasitenprohylaxe weiter. Verantwortung kann ich aber keine übernehmen, ich bin nicht Tierärztin (!). Auf jeden Fall sollte der Heimtierarzt für die Zusammenstellung der Prophylaxe konsultiert werden.

Eine monatliche Entwurmung zur Vorbeuge von Herzwurm ist wichtig. Dazu gibt es zwei bekannte Hauptwirkstoffe: Ivermectin (Heartguard, Iverkan, Cardomec – unbedingt Vorsicht bei collieartigen Hunden!) und Milbemycin (Milbemax, 4 Stk. ca. 40 Franken). Milbemax konnten wir in Nord- und Zentralamerika nicht finden. Alle drei Monate sollte der Hund zusätzlich wie zu Hause gegen andere Würmer behandelt werden (div. Wirkstoffe, sich informieren lassen). In Kanada bekamen wir teure Entwurmungsmittel mit dem Rezept unseres Schweizer Tierarztes, in den USA ging jedoch (ausser den rezeptfreien, nicht sehr wirksamen Sachen aus Walmart) nichts ohne Rezept eines US (!)-Veterinärs. In Mexiko hingegen bekamen wir die Mittel sehr günstig (6-er Packung Cardiomec für 250 Pesos) und ohne weitere Fragen. Es empfiehlt sich, selber genau zu wissen, was man braucht.

Ergänzend zur innerlichen Entwurmung ist an eine äusserliche Parasitenabwehr zu denken (Flöhe, Zecken, Mücken etc.). Viele Reisende bringen Scalibor-Halsbänder aus Europa mit (ca. 40 Franken/Wirkungsdauer 2-6 Monate). Es ist schwierig, Scalibor in Amerika aufzutreiben. Scalibor soll auch nicht mit anderen Spot-On-Präparaten (z.B. Revolution mit dem Wirkstoff Selamectin, 6 Monate für US$140) kombiniert werden. Die wohl einzige gegen Mücken (Leishmaniose) wirksame Alternative ist das Spot-On K9 Advantix II von Bayer. Wir fanden es in Petshops der USA und z.T. bei Veterinarias in Zentralamerika (ca. US$70 für 6 Monate). Das weit verbreitete Frontline ist nicht gegen Mücken wirksam.

Ausserdem ist grundlegendes Wissen zur Ersten Hilfe (Unfälle, Vergiftungen, Insektenstiche oder Gift-Tierbisse) auch für den Hund sinnvoll. Reisestress kann mit alternativen Mitteln (Bachblüten, Homöopathie) behandelt werden. Manche schwören auf einen guten Tierkommunikator, der auch aus der Distanz helfen kann. Die wichtigsten Notfallmedikamente für den Hund gehören genauso ins Reisegepäck wie eine Notfallapotheke für die Menschen. Manche Medikamente lassen sich aber (von einer Fachperson!!!) abstimmen und sind in der richtigen Dosierung (!) für Mensch und Tier geeignet. ACHTUNG: Medizinische Eigenversorgung sollte nur in Gebieten stattfinden, in denen die medizinische Notfallversorgung nicht gewährleistet ist. Wo immer möglich, ist ein lokaler (Tier-)Arzt vorzuziehen!

Nordamerika
USA
Die Einfuhr am Flughafen Newark (NY) und über Alberta mit dem Auto zurück in die USA war absolut unkompliziert und problemlos. Hunde sind an den meisten Stränden und Restaurants verboten. Die Suche nach einer hundefreundlichen Unterkunft kann ebenfalls nervaufreibend sein (Tipp: Red Roof Inn). Campingplätze sind meistens jedoch kein Problem. Viele Orte haben eingezäunte Freilaufgehege (Off-Leash-Parks) für Hunde. Ansonsten müssen Tiere fast immer angeleint sein – was angesichts des vielen Wildes auch ratsam ist. Die US-Nationalparks verfolgen eine strikte Hundepolitik, die sich mit der Zeit als sehr unangenehm herausstellte. So müssen Hunde konsequent auf geteerten Strassen und Plätzen bleiben, was mit erheblichen Einschränkungen verbunden ist – wandern mit Hund ist somit ausgeschlossen. Und da sich auch so ziemlich alles Sehenswerte etwas ab von der Strasse befindet, wäre es tatsächlich am besten, man liesse den Hund gleich von Anfang an zu Hause. Staatsparks, National Forests und andere Naturschutzgebiete sind oftmals liberaler.
Achtung: Es kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, wenn man den Hund alleine im Auto zurücklässt!

Kanada
An der Grenze bei Niagara Falls wollte man den Impfausweis sehen, sonst kein Problem. In kanadischen Nationalparks ist die Mitnahme eines Hundes selbst auf Wanderwegen erlaubt, ausgenommen bei Gefahr durch Bären.


Mexiko und Zentralamerika
Der kulturelle Stellenwert von Hunden ist in Lateinamerika ein ganz anderer. Hunde leben überall Seite an Seite mit den Menschen, aber es kümmert sich keiner um sie. Die meisten sind Strassenhunde oder zumindest ziemlich ungepflegte und unerzogene Hofhunde. Mit einem Hund im Fahrzeug stösst man entsprechend oft auf Unverständnis, doch Probleme gibt es selten. Ob und wo der Hund mitgenommen werden darf, ist sehr unterschiedlich. Für Ruinen und Nationalpärke kaum, Bootsfahrten und Vulkane meist schon. Zu achten ist viel mehr auf die anderen Hunde: Wachhunde tolerieren manchmal keine anderen Vierbeiner im Territorium und können Fido attackieren. Die "Strassenhunde" sind meist sozial, doch ist auf eine gute Parasiten-Prophylaxe beim eigenen Hund zu achten. Eine mexikanische Eigenheit sind Knallkörper, die bei allen Festlichkeiten (und auch sonst) abgefeuert werden und einem sensiblen Hund die Reise zur Hölle machen können.


Wir lügten an keiner Grenze, machten die Beamten aber auch nicht auf den Hund aufmerksam (Ausnahme Belize, da forderten wir das Permit vorgängig bei BAHA an). Das klappte meistens, aber nicht immer – und ist extrem personenabhängig (es kann überall oder nirgens klappen). Futter findet sich leicht, aber nach schlechten Erfahrungen mit Supermarkt-Futter stiegen wir auf qualitativ bessere globale Marken um. Auch nachimpfen klappte in Mexiko und Costa Rica problemlos. Der Impfstoff ist der gleiche, Tollwut wurde aber nicht separat, sondern gleich mit der bei uns üblichen Fünffach-Impfung (Canigen® SHA2PPi/L) verabreicht. Kostenpunkt umgerechnet ca. US$15, wobei die Wirksamkeit der Tollwut-Prophylaxe in der Kombiimpfung möglicherweise weniger stark ist.

Allerdings kann es etwas Suchen erfordern, die weltweit bekannten Parasitenmittel zu finden, denn für die meisten Einheimschen sind sie schlicht zu teuer. Am besten sucht man, wie so viele teure Importgüter, in grossen Städten mit einer reichen, westlich orientierten Oberschicht oder dort, wo sich Expats aufhalten. Normale Entwurmungstabletten hingegen sind oft auf dem Land sehr günstig.

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